Die Erinnerungen an den Sommer 1975 sind in Niedersachsen auch 50 Jahre später bei vielen Bürgern fest mit der größten Waldbrandkatastrophe, die Deutschland seit dem Krieg erlebt hat, verbunden. Rund 8.000 Hektar Wald und ca. 5.000 Hektar Heide- und Moorland wurden im August 1975 bei mehreren großen Bränden in der Lüneburger Heide sowie dem Wendland zerstört. Betroffen waren hier vor allem die Landkreise Celle, Lüchow-Dannenberg und Gifhorn. Unter anderem starben fünf Feuerwehrmänner aus Fallersleben und Hohenhameln, als ihnen durch eine Feuerfront der Rückweg aus einem brennenden Wald abgeschnitten wurde.
Weniger bekannt ist heute sicherlich, dass es auch in und um Verden herum in diesem August viele Wald- und Flächenbrände gab. Diese hatten zwar nicht die katastrophalen Auswirkungen wie im Osten Niedersachsens, waren teilweise aber durchaus auch als kritisch einzustufen.
Vorangegangen war den Waldbränden in Niedersachsen eine außergewöhnliche klimatische Situation. Seit Mitte Mai hatte es keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Vielfach lagen die Temperaturen am Tage über 30° Celsius, die relative Luftfeuchtigkeit betrug nur um die 20 Prozent und es herrschten seit Tagen Winde aus östlicher Richtung. Hinzu kam, dass in den Wäldern noch erhebliche Mengen an Bruchholz lagen, die von dem großen Orkan aus dem November 1972 stammten. Dies alles begünstigte den Ausbruch von Waldbränden. Dazu kam, dass viele Brände vorsätzlich gelegt wurden.
Während seit Mai durch die Ortsfeuerwehr Verden lediglich mehrere kleinere Wald- und Flächenbrände zu bekämpfen waren, begann ab dem 07. August eine bis heute beispiellose Einsatzperiode, die erst am 20. August mit dem Einsatz der Kreisfeuerwehrbereitschaft im Bereich Eschede in der Lüneburger Heide enden sollte. Rund 40 Einsätze, hauptsächlich Wald- und Flächenbrände, hatte die Ortsfeuerwehr Verden im oben genannten Zeitraum abzuarbeiten. Ein Großteil der Brände waren im Verdener Stadtwald mit seinen angrenzenden Privatwäldern zu bekämpfen. Man arbeitete nicht nur Hand in Hand mit den anderen Ortsfeuerwehren der Stadt Verden sowie Kräften aus dem gesamten Kreisgebiet. Auch die damals in Verden stationierten britischen Streitkräfte boten ihre Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände im Stadtwald an.
Beispielhaft kann an dieser Stelle nur auf ein paar herausragende Ereignisse aus dem August 1975 eingegangen werden.
Einer der größten Waldbrände in der Region um Verden eignete sich am 08. August. Gegen 12:30 Uhr wurde die Ortsfeuerwehr Verden zu einem Waldbrand in den Stadtwald alarmiert. Zwischen dem Paradiesweg und dem Märchenland war eine Fläche von rund 60.000 Quadratmetern in Brand geraten. Nur dem unermüdlichen Einsatz mehrerer Ortsfeuerwehren war es zu verdanken, dass sich aus diesem Waldbrand, der teilweise in unwegsamen Geländen wütete, keine Katastrophe entwickelte. Bereits am Abend zuvor hatte es übrigens an ähnlicher Stelle im Wald gebrannt.
Am Nachmittag des 9. August kam es erneut im Bereich Paradiesweg zu einem Waldbrand, der bedrohliche Ausmaße anzunehmen drohte. Auch hier konnte durch einen schnellen Einsatz schlimmeres verhindert werden. Noch während der Löscharbeiten im Stadtwald wurde ein Tanklöschfahrzeug abberufen um in Eversen im Landkreis Rotenburg bei einem weiteren Waldbrand zu unterstützen. Insgesamt wurde die Ortsfeuerwehr Verden an diesem Tage zu vier Waldbränden alarmiert. Hinzu kamen noch Nachlöscharbeiten an den alten Brandstellen.
Am 11. und 12. August kam es zu drei weiteren Waldbränden im Bereich des Stadtwaldes bzw. angrenzender Privatwälder. Insgesamt verbrannten hierbei Flächen von rund 16.500 Quadratmetern.
Neben der Bekämpfung neuer Waldbrände im Stadtwald forderte ein weiteres Brandereignis am 12. August die Ortsfeuerwehr Verden. In Hoya war es zu einem Großbrand im Lagerbereich einer papierverarbeitenden Firma gekommen. Das Feuer drohte nicht nur auf weitere Bereiche des Werkes überzugreifen, auch Teile der Stadt Hoya waren von den Flammen bedroht. Einsatzkräfte aus Verden unterstützen mit einem Löschgruppenfahrzeug und dem Rüstwagen der FTZ. Feuerwehren aus drei Landkreisen konnten das Flammenmeer letztlich stoppen. Erst nach rund einer Woche war dieser Einsatz für die Kameraden aus Hoya beendet. Es entstand ein Schaden von 10 Millionen DM.
Auch in den nächsten Tagen kam es mehrmals täglich zu Wald- und Flächenbränden. Neben diversen Einsätzen im Stadtgebiet unterstützen die Verdener Ortsfeuerwehren auch immer wieder bei Einsätzen in anderen Gemeinden des Landkreises. Die Einsätze dauerten nicht selten über Stunden an, so dass sich die Einsatzkräfte bei den hochsommerlichen Temperaturen oftmals bis zur völligen Erschöpfung verausgabten.
Am 13. August ordnete der damalige Oberkreisdirektor an, dass bis auf weiteres von 12 Uhr Mittag bis zum Sonnenuntergang alle Feuerwehren, die über ein Tanklöschfahrzeug verfügen, eine Wachbereitschaft von drei Mann zu stellen haben. Im Landkreis waren damals 12 Feuerwehren davon betroffen. Ebenfalls am 13. August sorgte eine Rauchentwicklung im Bereich Wittlohe für einen Einsatz an dem auch die Ortsfeuerwehr Verden beteiligt war. Hier lag allerdings kein Brandereignis in der Umgebung vor. Vielmehr war die Rauchwolke aus dem Katastrophengebiet in der Lüneburger Heide bis in den Landkreis Verden gezogen. Bereits am frühen Morgen des Tages befüllte die Ortsfeuerwehr Verden zwei Tanklastzüge von Privatunternehmen mit insgesamt 54.000 Litern Wasser die dringend im Katastrophengebiet benötigt wurden.
Nachdem ab dem 16. August die Einsatzzahlen im Bereich Verden wieder zurück gingen wurde am 19. August die Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Verden zu einem 24-stündigen Einsatz in die Lüneburger Heide geschickt. Unter den 13 eingesetzten Ortsfeuerwehren waren auch Einheiten aus Verden und Hönisch-Hutbergen. Eingesetzt wurden die kreisverdener Kräfte zu Nachlöscharbeiten im Bereich Eschede. Allein hier verbrannten bei dem größten Waldbrand während dieses Sommers rund 5.000 Hektar Vegetation. „Wir fuhren kilometerweit durch verwüstetes Gebiet“, beschrieb einer der Einsatzkräfte damals die Situation vor Ort. Die Arbeiten in dieser „Brandwüste“ stellten abermals sowohl für die Mannschaft wie auf für die Fahrzeuge eine besondere Herausforderung dar.
Am stärksten gefordert im Stadtgebiet war damals, nicht zuletzt aufgrund ihrer Ausstattung, sicher die Ortsfeuerwehr Verden. Gerade im Bereich des Stadtwaldes kam aber auch immer wieder die Ortsfeuerwehr Scharnhorst zum Einsatz. Weitere Ortsfeuerwehren wurden je nach Einsatzlage ebenfalls hinzugezogen. Weitergehende Informationen zu den Ereignissen in jenem Sommer sind der Chronik der Ortsfeuerwehr Verden zu entnehmen. Einsetzender Regen sorgte übrigens schließlich dafür, dass sich die Einsatzzahlen in Niedersachsen endlich wieder merklich normalisierten.
