Der 11. September 2001 – ein Datum, das sich weltweit ins Gedächtnis eingebrannt hat. In Verden war es an diesem Dienstag zunächst ein ganz anderer Einsatz, der die Feuerwehr über mehr als 24 Stunden forderte.
Gegen 16.20 Uhr liefen am 11. September 2001 die ersten Sirenen im Verdener Stadtgebiet. Im Gallichweg in Walle stand eine große Metall-Lagerscheune, gefüllt mit Heu und Strohballen, in voller Ausdehnung in Flammen. Anwohner hatten den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Dichter Rauch hing über dem Einsatzort, die Halle brannte bereits lichterloh.Zunächst Rückten die Ortsfeuerwehren aus Walle, Dauelsen Scharnhorst und Verden aus. Schon bald wurde deutlich, dass es sich um einen außergewöhnlich umfangreichen Einsatz handeln würde. Die Ausmaße des Brandes waren enorm, mehrere hundert Tonnen Heu und Stroh waren in der Halle gelagert.
Um überhaupt an die brennenden Heu- und Strohmengen heranzukommen, mussten zunächst Teile der Hallenwände eingerissen werden. Gleichzeitig wurde eine Löschwasserversorgung über mehrere Pumpen und eine mehrere hundert Meter lange Schlauchleitung aufgebaut.
Mit zahlreichen Strahlrohren und dem Wasserwerfer des Verdener Tanklöschfahrzeugs wurde der Brand bekämpft. In der Nacht kam zusätzlich ein Schaumwerfer-Anhänger der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) zum Einsatz.
Doch das eigentliche Problem lag im Inneren der Halle: Das Feuer hatte sich tief in die Heu- und Strohmengen gefressen. Ein Ablöschen der Oberfläche brachte nur vorübergehend Erfolg. Glutnester und Flammen saßen im Inneren der Ballen. Mit Radladern und einem Unimog des Bauhofes wurde das brennende Material Stück für Stück aus der Halle herausgeholt. Draußen wurde das Heu auseinandergezogen und endgültig abgelöscht. Feuerwehrleute arbeiteten dabei mit Forken, um die einzelnen Schichten auseinanderzuziehen und versteckte Glutnester aufzuspüren. Zeitweise mussten diese Arbeiten sogar wegen der Einsturzgefahr der beschädigten Blechkonstruktion unterbrochen werden.
Nach und nach kamen bei diesem Einsatz alle Verdener Ortsfeuerwehren zum Einsatz. Insgesamt waren letztlich rund 130 Feuerwehrleute an den Löscharbeiten beteiligt. Auch die FTZ unterstützte mit Fahrzeugen und Personal. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützte mit der Schnelleinsatzgruppe „Verpflegung“. In einem Zelt wurden die Feuerwehrleute während der Nacht mit warmen Getränken und belegten Broten versorgt. Außerdem sorgten ehrenamtliche Kräfte des Rettungsdienstes für die Absicherung der Einsatzkräfte.
Erst am späten Mittwochabend, dem 12. September, konnten die letzten Einsatzkräfte die Brandstelle verlassen. Damit war die Feuerwehr mehr als 24 Stunden mit diesem Einsatz beschäftigt. Der Schaden wurde damals auf rund 300.000 DM geschätzt.
Heute, 25 Jahre später, bekommt dieser Einsatz durch sein Datum eine zusätzliche, ganz besondere Bedeutung. Während die Verdener Feuerwehrleute in Walle gegen die Flammen kämpften, ereignete sich mehrere tausend Kilometer entfernt eines der folgenschwersten Ereignisse der jüngeren Geschichte: In den Vereinigten Staaten wurden vier Passagierflugzeuge entführt. Zwei von ihnen wurden in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert, ein weiteres traf das Pentagon. Das vierte Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab.
Für die Feuerwehr von New York wurde dieser Tag zu einer Katastrophe. 343 Angehörige des Fire Department of the City of New York (FDNY) verloren am 11. September 2001 ihr Leben, als sie im World Trade Center Menschen zu retten versuchten. Insgesamt kamen bei den Anschlägen 2.977 Menschen ums Leben.
Für die Verdener Einsatzkräfte war davon während des laufenden Einsatzes in Walle zunächst nur wenig zu erfahren. Mobiles Internet und Smartphones, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Die Einsatzkräfte waren zudem selbst seit Stunden im Einsatz gebunden. Erst nach und nach wurde auch den Verdener Einsatzkräften das ganze Ausmaß der Ereignisse bewusst.
So standen die Feuerwehrleute in Walle an diesem 11. September mitten in ihrem eigenen langwierigen Einsatz, während sich gleichzeitig in New York eine Tragödie abspielte, die die Welt veränderte. Der Rückblick auf den Brand in Walle erinnert deshalb nicht nur an einen außergewöhnlich langen und personalintensiven Einsatz der Verdener Ortsfeuerwehren. Er erinnert auch an einen Tag, an dem Feuerwehrleute auf beiden Seiten des Atlantiks ihrer Aufgabe nachgingen: Menschen zu schützen, Gefahren zu bekämpfen und Hilfe zu leisten.
In Walle konnten nach mehr als 24 Stunden die letzten Glutnester gelöscht und die Einsatzkräfte nach Hause geschickt werden. In New York begann am selben Tag für die Angehörigen von 343 Feuerwehrleuten und für unzählige weitere Menschen eine Zeit der Trauer, die bis heute nachwirkt.
