Atemschutz
Bei einem Brand enstehen starke Atemgifte, die binnen weniger Minuten schwere bis tödliche Verletzungen verursachen. Die Feuerwehr ist deshalb mit Atemschutzgeräten ausgestattet, die den Einsatzkräften eine komplett eigenständige Luftversorgung ermöglicht. Die Luft stammt aus einem tragbaren Pressluftbehälter auf dem Rücken, über einen "Lungenautomat" wird die Atemluft (kein Sauerstoff, wie immer wieder in Medien behauptet wird) dosiert in die Atemschutzmaske geleitet. Diese Maske liegt eng auf der Haut auf und lässt keine Brandgase hindurch. Die Luftdruck (Inhalt) einer Pressluftflasche beträgt ca. 300 bar und reicht etwa 20 bis 30 Minuten.
So werden Atemschutzträger ausgebildet
Die Atemschutzträger müssen im Brandeinsatz an vorderster Front einen Brand bekämpfen. Das ist eine Herausforderung, mitunter jedoch auch sehr gefährlich. Wer diese Aufgabe übernehmen möchte, muss körperlich und mental topfit sein. Das Tragen der zusätzlich rund 20 Kilogramm schweren Atemschutzausrüstung erfordert viel Kraft, das mögliche Arbeiten direkt im Feuer bei starkem Lärm, großer Hitze und gelegentlich nahezu vollständiger Dunkel- oder Orientierungslosigkeit (im dichten Qualm) ein ausdauerndes Nervenkostüm.
Logisch, dass nicht jeder Feuerwehrmann auch Atemschutzgeräteträger wird oder werden darf. Zunächst entscheidet ein ärztliches Gutachten ("G 26.3") über die medizinische Tauglichkeit jeden Anwärters. Dazu gehört unter anderem ein Belastungs-EKG, Röntgenaufnahmen, usw. Diese Tauglichkeitsprüfung muss alle drei Jahre wiederholt werden. Nur wenn der Arzt sein eindeutiges Okay gibt, steht einer Ausbildung nichts mehr im Wege.
Die 28-stündige Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger findet an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) am Schnuckenstall in Verden statt. Die Termine finden Werktag-Abends und Samstags statt. Auch dieser Lehrgang unterscheidet sich in theoretischen und praktischen Unterricht. Die Lehrgangsteilnehmer lernen über die Atmung des Menschen, Einteilung der Gerätearten, Atemgifte und Einsatzgrundsätze. Auch die Verantwortlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil dieser Ausbildung, die mit dem nötigen Ernst absolviert werden muss. Denn Geräte müssen vom Träger nach einem Einsatz wieder fit für den nächsten Bedarf gemacht werden - würde hier geschlampt, hätte der nächste Träger im Ernstfall ein großes Problem...
Neben der Theorie gehört gerade die praktische Anwendung zur Ausbildung: Gewöhnungsübungen, Schulung der Atemtechnik, Kriechübung, Flaschenwechsel und vieles mehr. Die Belastungsprobe in der Atemschutzstrecke im Keller der FTZ ist gefürchtet: Hier müssen die Lehrgangsteilnehmer eine bestimmte Belastung binnen 30 Minuten absolvieren. Dazu gehören:
- 20 Meter Endlos-Leiter steigen
- eine Minute auf dem Ergometerr radfahren (200 Watt)
- Durchklettern einer Tank-Simulationsanlage (mit Absetzen des Pressluftatmers)
- Bewältigen der Atemschutzstrecke mit allen Schikanen, dann wieder
- 20 Meter Endlos-Leiter steigen
Das mag für den einen oder anderen Sportler einfach klingen. Doch selbst für durchtrainierte Menschen ist diese Belastung enorm und powert vollkommen aus. Klicken Sie hier [676 KB]
, wenn Sie sich das Steigen auf der Endlosleiter als RM-Video anschauen möchten. Übrigens: Das Ziehen eines Schlaghammers gehört seit 2004 nicht mehr zum Trainingsprogramm.
Die erwähnte Kriechstrecke ist ein Gebilde aus Metallgittern, die von den Atemschutzträgern bei völliger Dunkelheit und zum Teil vernebelt (Disconebel) durchlaufen werden muss. Über Tonband wird eine laute Geräuschkulisse (Schreie, Explosionen) erzeugt, Heizstrahler erwärmen den Raum auf 80 bis 90 Grad Celsius. Vergleichsweise lächerlich: Bei einem echten Wohnungsbrand herrschen Temperaturen um 700 Grad Celsius. Doch durch diese Simulation kann der Träger ansatzweise erahnen, was im Einsatz auf ihn zukommt. Wer es hier mit der Angst zu tun bekommt, ist für den Ernstfall nicht geeignet. Übrigens: Die Strecke muss nicht nur durchkrabbelt werden. Höhenunterschiede über Leitern, stilisierte Schachtdeckel und weitere "Schikanen" machen die Strecke zur Herausforderung. Das "Highlight": eine Röhre. Um durch sie hindurchzukommen, muss der Träger das Atemschutzgerät absetzen und vor sich herschieben. Dennoch bleibt es an der Maske angeschlossen. Der Durchgang durch die Strecke muss von jedem Atemschutzträger einmal jährlich wiederholt und bestanden werden.
Der Atemschutzlehrgang wird theoretisch und praktisch geprüft. Neben Prüfungsfragen müssen die Teilnehmer den Durchgang durch die Strecke schaffen und dabei zum Beispiel eine Puppe "retten". Außerdem wird die Reinigung von Maske, Pressluftatmer und der Wechsel der Pressluftflasche geprüft.







