Verdächtiger Umschlag - nur krimineller Scherz?
(22.10.2001) - Der Verdacht liegt nahe: Haben Trittbrettfahrer in Verden zugeschlagen? Fakt: Am Montagmorgen wurde in einem Supermarkt in der Innenstadt ein mysteriöser Umschlag mit einem unbekannten Pulver gefunden. Mitarbeiter des Marktes brachten die Sendung mit unbekanntem Inhalt in ihr Büro und alarmierten die Polizei. Die Beamten packten den Brief in Plastik und verstauten diesen im Kofferraum ihres Streifenwagens.
Der Streifenwagen wurde auf dem Hof der Verdener Polizei-Inspektion geparkt. Die Rettungsleitstelle erhielt die Meldung über die verdächtige Sendung. Aufgrund der Milzbrand-Vorfälle in den USA müssen auch die deutschen Behörden sicherheitshalber jede Meldung ernst nehmen. Deshalb wurde um 09:04 Uhr Großalarm gemäß einer standardmäßigen Gefahrgut-Alarmierung ausgelöst.
Damit wurden nicht nur die Ortsfeuerwehren aus Verden (Stadt), Dörverden und Kirchlinteln (ein Tanklöschfahrzeug) gerufen, sondern auch der Gefahrstoffzug der Feuerwehr Achim, die Schnell-Einsatzgruppe (SEG) Gefahrgut des DRK, die Fachgruppe Rettungsdienst und der Kreisbrandmeister. Insgesamt dürften rund 100 Helfer mit etwa 20 Fahrzeugen nach Verden angerückt sein.
Schwerpunkt des Einsatzes bildete die Verdener Polizei-Inspektion. Dort wurde der verdächtige Umschlag von zwei Feuerwehrleuten mit Chemie-Schutzanzügen aus dem Streifenwagen geborgen. Die Atemschutzträger wurden anschließend mit Desinfektionsmittel von der SEG Gefahrgut dekontaminiert (entseucht). Der Umschlag wurde in eine Sicherheitsbox verstaut und anschließend in ein Labor nach Hamburg gefahren. Dort wurde der Inhalt der Sendung untersucht. Entwarnung am Dienstag: keine Milzbranderreger. Der technisch sehr aufwändige Einsatz "Im Burgfeld" dauerte über dreieinhalb Stunden. Auch an dem Supermarkt in der Innenstadt rückte die Feuerwehr an - weiter Umschläge wurden nicht gefunden.
Weder Polizei, noch Feuerwehr noch sonstige Behörden können - falls es sich wie vermutet um einen "Scherz" handelt - über die Witzbolde lachen. Allein die Kosten für den Einsatz der Feuerwehren und Rettungsdienste dürften sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Auch die fast durchweg ehrenamtlichen Helfer, die ihre Freizeit oder Arbeitszeit opfern mussten, finden eine solche Aktion überhaupt nicht komisch. Medienberichten zu Folge erwartet Trittbrettfahrer eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.





