Dauereinsatz nach schwerem Unwetter
(26.06.2006) - Zwei schwere Gewitterfronten beendeten am Sonntagabend in der Region Verden das heiße Wochenende. Das Unwetter brachte nicht nur viele Blitze, kräftigen Donner und Sturmböen, sondern vor allem reichlich Regen. Zwischen 20 und 2 Uhr fielen in Verden pro Quadratmeter 46 Liter Niederschlag, ermittelte der Wetterdienst Meteomedia. Die Feuerwehr war bis zum frühen Montagmorgen im Dauereinsatz - 35 witterungsbedingte Einsätze mussten von den ehrenamtlichen Rettungskräften bewältigt werden.
Um 19.15 Uhr hatte der Deutsche Wetterdienst unter anderem für den Landkreis Verden eine Unwetterwarnung herausgegeben, die das Schlimmste befürchten ließ. Gegen 20.45 Uhr zog aus dem Westen die erste Gewitterfront heran, nur fünf Minuten später alarmierte die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle die Verdener Feuerwehr. Allerdings, wie sich kurz darauf herausstellte, wegen eines leidlichen Missverständnisses. Eine Anwohnerin an der Strukturstraße hatte eine Rauchentwicklung aus einem Gebäude gemeldet - und kurz darauf selbst festgestellt, dass es sich bei dem vermeintlichen Qualm lediglich um den vom Wind angepeitschten Regen handelte. Nur wenige Minuten später schlug die Brandmeldeanlage einer Firma an der Siemensstraße Alarm - auch hier handelte es sich um einen Fehlalarm, verursacht vermutlich durch eindringende Feuchtigkeit. Die Einsatzkräfte waren gerade eingerückt, als die Polizei die Feuerwehr zu einer Hilfeleistung in die Cluventalstraße anforderte. Hier drang Regenwasser durch geöffnete Fenster eines unbewohnten Apartments in die darunter liegende Wohnung ein. Die Feuerwehr musste die Tür mit Spezialwerkzeug öffnen, um die Fenster schließen zu können.
Noch während dieser Einsatz lief, ging ein Notruf nach dem anderen in der Leitstelle ein. Zusätzliche Disponenten besetzten die Arbeitsplätze im Kreishaus, um die zahlreichen Hilferufe aus der Bevölkerung bearbeiten zu können. Da die meisten Anrufe aus der Stadt Verden eingingen, alarmierten die Disponenten die gesamte Ortsfeuerwehr Verden, kurz darauf waren auch die Wehren aus Dauelsen und Scharnhorst gefordet. Rund 70 Feuerwehrleute mit 14 Fahrzeugen kamen zum Einsatz.
Stadtbrandmeister Wolfgang Schmidt und Verdens Ortsbrandmeister Peter Schmidt koordinierten vom Verdener Feuerwehrhaus aus die Fahrzeuge zu den einzelnen Einsatzorten. "Bei der Vielzahl der Anfragen mussten wir Prioritäten setzen", berichtete Peter Schmidt. "Nach einer Erkundung haben wir festgelegt, wo die Kräfte als erstes aktiv werden. Ein gefluteter Wohnhauskeller, in dem Heizöltanks gefährdet sind, hat zum Beispiel Vorrang vor einer Garage, die nur fünf Zentimeter unter Wasser steht." Es sei nicht zu vermeiden gewesen, dass einzelne Anwohner längere Zeit auf Hilfe warten mussten. Ganz bewusst sei darauf verzichtet worden, außer der Dauelser Feuerwehr noch weitere Wehren ins Stadtgebiet nachzufordern. "Vor allem, um die Wehren für Einsätze in ihrem eigenen Bereich zurückzuhalten", erklärte Schmidt.
In den überwiegenden Fällen waren die Keller von Wohnhäusern betroffen, meist stand hier das Wasser zwischen drei und 15 Zentimeter hoch, in mehreren Fällen aber auch bis zu einem halben Meter. So etwa am Brunnenweg und an der Carl-Hesse-Straße. Besonders betroffen waren die Wohngebiete rechts und links der Lindhooperstraße. Auch mehrere Garagen sowie Firmenkeller waren betroffen. Eine durchziehende zweite Gewitterfront sorgte für eine vorübergehende Verschärfung der Lage.
In den meisten Fällen griffen die Anwohner selbst zu Eimern, vielerorts halfen auch die Nachbarn spontan mit. Zum Teil verzweifelte Hausbesitzer waren dankbar für jede helfende Hand, das spürte auch die Feuerwehr. Doch in Einzelfällen nahmen Anwohner das Eintreffen der Feuerwehrkräfte als Selbstverständlichkeit hin. "Ein Mann zeigte uns den vollgelaufenen Keller, wünschte viel Spaß und verabschiedete sich ins Bett", berichtete ein Feuerwehrmann. Eine Reaktion die Unmut bei den ausschließlich ehrenamtlichen Feuerwehrleuten hervorrief, die ihren freien Sonntagabend - und die Übertragung des WM-Achtelfinales - sausen ließen, um anderen helfen zu können.
Erst gegen 4.30 Uhr konnten die letzten Einsatzfahrzeuge wieder einrücken. Ein nachträglicher witterungsbedingter Einsatz folgte am Montagnachmittag. Im Lönsweg stand ein Keller unter Wasser. Das Unwetter war das folgenschwerste seit sechs Jahren. Am 28. Juli 2000 hatte Starkniederschlag für 46 vollgelaufene Keller in Verden gesorgt.






